Die Chronik


Am 10. Mai 1910 wurde in Straßburg der Katholische Studentenverein Rheno-Frankonia mit viel Beifall und Enthusiasmus gestiftet. Kein Geringerer als der damalige Universitätsprofessor und spätere Münchener Erzbischof und Kardinal Dr.Michael Faulhaber zählte zu den Gründungsphilistern am 10. Mai 1910.

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges kam es zu einer Vertagung der Aktivitas. Das Ende des ersten Weltkrieges ließ Straßburg wieder französisch werden. Damit brach das aktive Vereinsleben der Korporation völlig ab. Ferner verschmolzen die bis dahin getrennten Studentenverbände KV (Kartellverband Katholischer Deutscher Studentenvereine) und SKV (Süddeutscher KV). In dieser Situation ergab es sich durch persönliche Kontakte einiger Kölner Studenten mit Rheno-Frankonen, dass man den Sitz der Korporation nach Köln verlegte. Da es in Köln bereits eine Burschenschaft gleichen Namens gab, wurde für den neuen Bund der Name K.St.V. Rheinpfalz gewählt. Die Erinnerung an die Ursprünge wird durch den Zusatz „Rheno-Frankonia-Straßburg“ wachgehalten. Der erste Konvent des Vereins, der als der eigentliche Tag der Wiedergründung anzusehen ist, fand am 09. November 1922 statt.

Im Oktober 1924 wurde in Ergänzung zur Aktivitas der Altherrenverein (AHV) Rheinpfalz gegründet. Im Anschluss hieran wurden die Mitglieder des AHV Balmung in den AHV Rheinpfalz übernommen. Die Balmung ware 1920 gegründet worden (Wahlspruch: "Herdurch mit Freuden"; Farben: silber-schwarz-grün-silber) und mit dem Verband seit der 48.VV in München befreundet. Die Balmunger waren mit der Wiederbegründern der Rheinpfalz freundschaftlich verbunden und hatten deren Neugründung gefördert.

Die Rheinpfalz hat in den 20er Jahren in Köln ein außerordentlich reges Vereinsleben entwickelt. Die Aktiven jener Zeit stammten fast alle aus alteingesessenen und angesehenen Kölner Familien. Sie pflegten einen eher gelockerten Stil studentischer Umgangsformen. Die Programme jener Jahre zeigen aber, dass man sich mit Entschiedenheit den aktuellen und drängenden Fragen der Zeit stellte. Zahlreiche Vorträge und Diskussionen bezeugen dies. Ebenso wurden viele Themen zu kirchlichen und religiösen Fragen erörtert.

Schon recht früh konnten zwei Räume in einer Wohnetage in der Elisenstraße angemietet werden. Später folgte ein eigenes Vereinshaus in zentraler Lage auf dem Gereonsdriesch 23, das bis Mitte der 30er Jahre als Kristallisationspunkt aller Aktivitäten diente.

Als man in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg schließlich an eine Wiederbegründung denken konnte, nahmen es einige Bundesbrüder in die Hand, die alten Rheinpfälzer zusammenzurufen. Am 17. Januar 1948 wurde auf dem Hotelschiff „Bismarck“ im Kölner Hafen einstimmig beschlossen, den Verein wieder erstehen zu lassen.

Dieser Entschluss war wie eine Initialzündung, denn von da an nahm der Verein einen stürmischen Aufschwung. Die Mitgliederzahlen gingen steil in die Höhe. Die Veranstaltungen waren dementsprechend bestens besucht. Wiederum stellten die aus Köln stammenden Bundesbrüder einen sehr großen Anteil. Doch kamen viele auch aus dem südlichen Rheinland, aus dem Sauerland und aus Westfalen.

In guter Tradition wurde auch in diesen Jahren kein streng am Komment orientiertes traditionelles Korporationsleben praktiziert. Ein eher lockerer Club-Stil wurde favorisiert, wenn auch unter bewusster Betonung aller gesellschaftlichen Formen. Die Bindung an den Verband war eher  lose. Man war in erster Linie Rheinpfälzer.

Der Ruf nach einem eigenen Vereinshaus wurde immer drängender. Schließlich gelang es 1958, in unmittelbarer Nähe zu den Universitätskliniken und noch in fußläufiger Entfernung zum Hauptgebäude der Universität ein Grundstück zu erwerben. Unter großer finanzieller Opferbereitschaft der Bundesbrüder wurde die Finanzierung sichergestellt. Nach sehr kurzer Bauzeit konnte das neue Haus am 16. Juli 1961 im Rahmen des 51. Stiftungsfestes eingeweiht werden. Ein großer und für das weitere Vereinsleben bedeutsamer und prägender Tag !

Fortan hatte der Verein wieder einen festen räumlichen Mittelpunkt. Sieben Studentenwohnplätze, ein Clubraum für kleinere Aktivitäten (zugleich auch Fernsehzimmer) sowie ein 70 m² großer Konvents- und Veranstaltungsraum stehen zur Verfügung. Die übrigen Etagen wurden aus finanziellen Gründen zunächst fremdvermietet. Erst in den 80er Jahren konnten auch diese Wohnungen selbst belegt und an Aktive, z.T. in Wohngemeinschaft, vergeben werden.

Seit den späten 60er Jahren hat das Vereinsleben der Rheinpfalz all die bekannten Wandlungen unserer Gesellschaft verspürt und auch in Teilen mitvollzogen, die sich von traditionellen Verhaltensweisen und Bindungen vielfach löste. Dadurch ging die Zahl der Neumitglieder (Füchse) in der zweiten Hälfte der 60er Jahre zunächst zurück. 1970/71 folgte ein deutlicher Aufschwung. Doch bald sank die Aktivenzahl so stark, dass 1975 fast an eine Wiederbegründung gedacht werden musste. Doch nicht zuletzt durch die Vermietung der oberen Etagen des Vereinshauses an studierende Rheinpfälzer konsolidierte sich die Mitgliederzahl auf einem guten Niveau. Heute ist die Aktivitas erfreulich homogen und von gutem Miteinander geprägt.

Parallel zu dieser internen Entwicklung zeigten Rheinpfälzer Engagement in Hochschule und Gesellschaft, im Studentenparlament und in den demokratischen Parteien, aber auch im eigenen Verband, dem KV, auf Bundes- wie Stadt-Kölner Ebene. So waren Rheinpfälzer vor allem seit Ende der 60er Jahre im KV tätig, sei es in den Vorständen des Kölner Ortskartells der Aktivitates oder des Kölner Ortszirkels „Häus’chen“, sei es im Satzungsausschuss des KV (der 1970/71 die heutige KV-Satzung erarbeitet hat), in der KV-Akademie, im KV-Hauptausschuss oder im Verbandskassenausschuss.

Traditionelle gute Beziehungen wurden und werden nicht nur zu den anderen Kölner Kartellvereinen des KV gepflegt, sondern auch zu anderen Verbänden.

Zwischen Aktivitas und Altherrenschaft besteht gutes Einvernehmen. Besonderen Wert legen die Vorstände darauf, in jedem Semester nicht nur Veranstaltungen zu den Prinzipien „religio“ und „scientia“ anzubieten, sondern auch solche, die das Gespräch zwischen Jung und Alt, das Kennenlernen und Verstehen des anderen, mithin die generationenübergreifende „amicitia“ ermöglichen. Gerade dafür von besonderer Bedeutung sind die gemeinschaftlichen Reisen zu den Ursprüngen der Rheinpfalz nach Straßburg, die in Abständen durchgeführt werden. Aber auch andere Exkursionen sowie Familien- und Wandertage zählen dazu.

So blickt die Rheinpfalz zuversichtlich in die kommende Zeit. Tradition und Erneuerung sind auch in den vor uns liegenden Jahren Eckpunkte, die es mit Leben zu erfüllen gilt. Dann können die einzelnen Bundesbrüder wie auch der Verein insgesamt einen verantwortlichen Platz in Kirche und Gesellschaft einnehmen. Deshalb können wir dem Wunsch der Gründerväter auch heute nur zustimmen :

                                              Vivat, crescat, floreat Rheinpfalz !